Kunst- und Kulturstadt mit einer alten Stadtmauer als Promenade

Lucca gehört neben Florenz, Siena und Pisa zu den bedeutensten Kunststädten der Toskana. Das Stadtbild von Lucca ist geprägt von einer noch völlig intakten Stadtmauer, die die Altstadt umgibt. Die Bevölerung von Lucca, die vor allem dank des regen Handels und der hier angesiedelten Banken zu Reichtum gelangt war, zeichnet sich von jeher durch einen starken Willen zur Autonomie und Selbstverwaltung aus. Symbolisch für diese Einstellung ist die noch erhaltene Befestigungsanlage. Heute ist die 4 km lange Stadtmauer eine einzigartige Promenade für Spaziergänger und Radfahrer. Der Befestigungswall ist von großen Bäumen gesäumt. Die Altstadt lässt sich auf dieser Promenade im Schatten der Bäume umrunden. Auf der einen Seite liegt Lucca und auf der anderen Seite überblickt man die weite Ebene.

Die Nähe zum Meer begünstigte den Handel und so entwickelte sich dieses Städtchen, das heute rund 85.000 Einwohner zählt. Lucca kann neben der Stadtmauer noch mit zwei anderen berühmten Wahrzeichen aufwarten: das eine ist der begrünte Turm des Palazzo Guinigi, das andere das ehemalige römische Amphitheater.
Der Backsteinturm des Palazzo Guinigi ist tatsächlich einzigartig und unverkennbar. Auf dem Turm wachsen nämlich große Steineichen. Steigt der Besucher auf dieses Bauwerk aus dem 14. Jahrhundert hinauf, dann bietet sich ihm, im kühlen Schatten der Bäume, ein herrlicher Ausblick über die Dächer von Lucca.
Ganz in der Nähe liegt die Piazza Anfiteatro, auch Piazza Mercato genannt. Hier stand einst ein großes, römisches Amphitheater, das bis zu 10.000 Besucher aufnehmen konnte. Heute befindet sich dort ein ovaler Platz, der von Wohnhäusern eingefaßt wird, die auf dem Grundmauern des Amphitheaters errichtet wurden. Lange Zeit wurde dieser markante Platz als Obstmarkt verwendet, heute werden vor dieser stimmungsvollen Kulisse auch Freilichtaufführungen abgehalten.

Lucca verfügt noch über weitere architektonische und künsterlische Juwele. Die Stadt an der antiken Pilgerstraße Via Francigena zählte einst knapp 100 Kirchen und Kapellen. Von den sakralen Bauten ist sicherlich der dem
Hl. Martin geweihte Dom mit seiner wunderschönen Fassade aus dem 13. Jahrhundert zu erwähnen. Im Inneren der Kirche befindet sich das berühmte und verehrte Holzkreuz "Volto Santo" und das Grabmal der Ilaria del Carretto von Jacopo della Quercia. Auch die Chiesa di San Frediano beherbergt wertvolle Kunstwerke.

Dank des Reichtums, den der Handel der Stadt und Ihren Bürgern brachte, findet man in Lucca auch prunkvolle Villen und Paläste, die heute zumeist Museen beherbergen. Ein schönes Beispiel eines aristokratischen Wohnhauses ist der Palazzo Mansi, in dem eine bedeutende Gemäldegalerie untergebracht ist. Der Palazzo Pretorio ist hingegen ein stattliches Gebäude aus dem 16. Jahrhundert. Opernliebhaber können nicht umhin, das Museum im Geburtshaus von Giacomo Puccini zu besuchen. In der Villa Guinigi können bedeutende etruskische und römische Funde, aber auch romanische und gotische Bauplastiken und Renaissance-Skulpturen sowie wertvolle Gemälde bewundert werden. Das Teatro del Giglio mit seiner neoklassizistischen Fassade ist hingegen ein Zeugnis der musikalischen Tradition Luccas. Der Palazzo Pfanner hat einen herrlichen, öffentlich zugänglichen Park, der ein prächtiges Beispiel für italienische Gartenarchitektur ist. 1820 wurde für die Königliche Universität in Lucca ein botanischer Garten angelegt, eine grüne Lunge innerhalb der Stadtmauer in der Villa Bottini, dem Sitz des Kulturamtes von Lucca, finden in den Sommermonaten Konzert- und Jazzabende statt.

Die Straßen der Altstadt laden aber auch zu einem gemütlichen Geschäftsbummel ein, so beispielsweise in der Via Fillungo oder in der Via del Battistero, die wegen der zahlreichen Antiquitätenhändler auch Via degli Antiquari genannt wird.

Ein besonderes Erlebnis für alle Toskana-Liebhaber ist sicherlich eine Radtour auf der alten Stadtmauer und durch die Stadt.